Herbstaussaat von Hafer – Chancen, Herausforderungen und Sortenwahl
Die Herbstaussaat von Hafer gewinnt in der landwirtschaftlichen Praxis zunehmend an Bedeutung. Zu den pflanzenbaulichen Vorteilen zählt eine bessere Ausnutzung der Winterfeuchte, denn aufgrund vermehrter Frühjahrstrockenheit in den letzten Jahren kam es in vielen Regionen zu schlechten Erträgen und Qualitäten. Durch die Nutzung der im Winter gespeicherten Bodenfeuchte verschafft sich der herbstausgesäte Hafer einen deutlichen Entwicklungsvorsprung: Das Wurzelsystem ist bereits weiter ausgebildet, sodass die Pflanzen Trockenphasen im Frühjahr besser überstehen und Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen können.

Ökofläche in der Herbstaussaat
Ein weiterer Vorteil ergibt sich im Bereich des Unkrautmanagements. Im Vergleich zum Winterhafer zeigt der Sommerhafer im Frühjahr eine deutlich zügigere Jugendentwicklung, wodurch Unkräuter frühzeitig und wirkungsvoll unterdrückt werden können.
Auch die frühere Abreife ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Sie erleichtert die Ernteplanung und schafft zusätzlichen Spielraum für nachfolgende Kulturen. Herbstaussaaten verfügen in der Regel über einen Vegetationsvorsprung von rund drei Wochen, der sich unter günstigen Bedingungen in einer entsprechend früheren Ernte widerspiegeln kann.
Trotz der genannten Vorteile sollte bei der Herbstaussaat von Hafer das Risiko einer Auswinterung sorgfältig abgewogen werden. Sommergetreide ist nicht auf Winterbedingungen gezüchtet, weshalb die Gefahr eines Totalausfalles besteht.
Tipps für den erfolgreichen Anbau!
Für die Herbstaussaat von Sommerhafer wird eine Saatzeit zwischen Mitte Oktober und Anfang November empfohlen, wobei das optimal angestrebte Stadium zur Vegetationsruhe das 3-Blatt Stadium ist. Die Aussaatstärke sollte in der Regel bei 350–400 Körnern/m² liegen.

Herbstaussaat vs. Frühjahrsaussaat
Auch die Düngung spielt eine wesentliche Rolle: Eine N-Gabe von 100–120 kg Stickstoff/ha zum Vegetationsbeginn unterstützt die Regeneration und den Aufbau. Eine Stickstoffgabe im Februar kann noch eher zu einer Bestockung führen. Je später der Stickstoff ausgebracht wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Bestockung. Die Stickstoffgaben sollten jedoch abhängig von Standort, Witterung und Entwicklungsstand erfolgen.
Beim Einsatz von Wachstumsreglern ist die aktuelle Witterung während des Schossens zu berücksichtigen. In Jahren mit ausgeprägter Trockenheit ist von der Applikation eines Wachstumsreglers abzuraten. In der Praxis konnten wir in den letzten beiden Jahren zudem feststellen, dass Herbstaussaaten im Vergleich zu Frühjahrsaussaaten einen stabileren Halm entwickeln. Frühjahrsaussaaten wachsen auf Grund des kürzeren Vegetationszeitraumes schneller in die Höhe und entwickelt dadurch dünnere, instabilere Halme. Zur Absicherung der Standfestigkeit sind beispielsweise CCC720, Medax Top + Turbo, Moddus oder Prodax zugelassen.
Ein weiterer Vorteil herbstausgesäter Haferbestände zeigt sich beim Krankheitsbefall. Oftmals ist – beispielsweise bei der Hafersorte KARL – kein oder nur ein geringer Einsatz von Fungiziden notwendig. Zur Absicherung sollte jedoch der Pflanzenschutz-Warndienst regelmäßig zur Entscheidungsfindung herangezogen werden.
Hafersorte KARL – geeignet für den Herbstanbau
Als Sortenempfehlung für die Herbstaussaat fällt die Wahl auf die gelbspelzige Sommerhafersorte KARL.
Die Sorte KARL vereint die Qualitäten hohes hl-Gewicht, minimaler Spelzenanteil und geringer Anteil nicht entspelzter Körner. Diese Qualitäten in Kombination mit den hohen Kornerträgen sowohl in der behandelten als auch in der unbehandelten Stufe sind einzigartig. Hinzu kommen eine verbesserte Standfestigkeit sowie eine phänomenale Resistenz gegenüber Mehltau. Durch sein Profil ist KARL auch hervorragend für den ökologischen Anbau geeignet. KARL – der Große – vereint höchste Erträge und beste Qualitätseigenschaften wie keine andere Hafersorte.
Empfehlung für die Praxis – Erfahrungen aus dem Betrieb
Benedikt Ley, Betriebsleiter vom Mühlenhof Zepelin, der bereits im zweiten Jahr in Folge Hafer im Herbst ausgesät hat, berichtet von positiven Erfahrungen, insbesondere unter den trockenen Frühjahrsbedingungen.
„Durch die Herbstaussaat war der Hafer im Frühjahr deutlich weiterentwickelt. Das Wurzelsystem war bereits gut ausgebildet, sodass die Bestände Trockenphasen besser überstanden haben. Gerade in den letzten Jahren hat sich dieser Entwicklungsvorsprung klar ausgezahlt“, so Benedikt Ley.
Auch im Hinblick auf das Unkrautmanagement zeigt sich der Vorteil des Systems: „Der Bestand hat im Frühjahr schnell „dicht“ gemacht und Unkräuter zuverlässig unterdrückt. Zusätzliche Maßnahmen waren kaum notwendig.“
Zur Sorte KARL fällt das Fazit aus der Praxis positiv aus: „KARL hat sich im Herbst gut etabliert und im weiteren Vegetationsverlauf eine stabile Standfestigkeit gezeigt. Erträge und Kornqualität waren überzeugend. Für unseren Standort ist die Herbstaussaat mit dieser Sorte eine interessante Ergänzung im Anbausystem.“
