zurück zur Übersicht

Unkrautregulierung im Soja-Anbau

Chemische Regulierung

Die erfolgreiche Unkrautkontrolle ist entscheidend für den Anbauerfolg, da die Sojabohne aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung und dem späten Bestandesschluss kaum Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern besitzt. Außerdem kann übermäßiger Unkrautbesatz die Erntearbeiten erschweren, zur Erhöhung der Erntefeuchte beitragen und die Qualität des Ernteguts massiv beeinträchtigen.

Das fördert eine gute Unkrautunterdrückung:
• Sorten mit schneller Jugendentwicklung
• Verzweigende Sorten mit breiten Blättern
• Langstrohige Sorten mit üppigem Massenwachstum
Achtung: Diese Sorten haben meist eine schlechte Standfestigkeit! (Kein Problem im Trockengebiet, nachteilig in den feuchten Regionen)
• Keine zu großen Reihenweiten – besser Drillsaat
• Saatstärke nicht zu gering wählen!
• Richtige Saatzeit: Ziel ist ein schneller Feldaufgang und zügige Jugendentwicklung

Einerseits verträgt die Sojabohne kaum Unkrautkonkurrenz und reagiert mit starken Ertragseinbrüchen, wie beispielsweise Zuckerrüben. Andererseits ist die Sojapflanze empfindlich gegenüber den eingesetzten Herbiziden und kann bei nicht an die Bedingungen angepassten Aufwandmengen mit Mindererträgen reagieren.

Bei der Aussaat ist auf eine ausreichende Tiefenablage von mindestens drei, besser vier Zentimetern und einer geschlossenen Saatrille zu achten, um bei dem Einsatz von Bodenherbiziden die Verträglichkeit zu gewährleisten. Ebenfalls sollte auf ein feinkrümeliges Saatbett geachtet werden. Grobe Kluten können die Wirkung der Bodenherbizide empfindlich stören. Hierbei ist der Einsatz einer Walze vor der Pflanzenschutzanwendung von Nutzen. Nicht
nur eine bessere Herbizidwirkung, sondern auch eine Erleichterung der Ernte, wegen des tiefen Hülsenansatzes der Sojabohne, kann hiermit erreicht werden.

Vorauflaufanwendung: Standard
Das Leitunkraut Gänsefuß/Melde kann nur durch eine Vorauflaufspritzung sicher kontrolliert werden.

Bewährte Herbizidstrategien im Vorauflauf
• Vorauflauf: Breite Mischverunkrautung, mit Hirse und Nachtschatten, etwas schwächer bei Gänsefuß/Melde: 0,3–0,4 l/ha Sencor Liquid + 0,25 l/ha Centium 36 CS + 0,6–0,8 l/ha Spectrum
• Vorauflauf: Breite Mischverunkrautung, besonders stark bei Gänsefuß/ Melde, ohne Nachtschatten: 1,5–2,0 kg/ha Artist + 0,25 l/ha Centium 36 CS

Wichtig: Die oberen Aufwandmengen gelten für Ton- und/oder humusreichere Böden (Lehm; toniger Lehm) bzw. trockenere Bedingungen, die unteren Aufwandmengen gelten für leichte Böden (sandiger Lehm; reiner, humusarmer Schluff) bzw. feuchtere Bedingungen. Nach der Saat im Vorauflaufverfahren bis kurz vor dem Auflaufen der Bohnen auf möglichst feuchten Boden spritzen. Das Saatgut muss mindestens 3–4 cm tief abgelegt sein und die Saatrille geschlossen sein!

Bei den Vorauflaufmitteln stehen noch der Spectrum Aqua Pack mit 0,75 l/ha Spectrum und 1,5 l/ha Stomp Aqua zur Verfügung (bzw. die Fertigmischung Spectrum Plus mit 2,75 l/ha). Die Wirkung gegen Gänsefußarten ist recht zuverlässig, allerdings muss das Verträglichkeitsrisiko des Wirkstoffes Pendimethalin beachtet werden. Besonders auf leichteren Böden, aber vor allem nach Starkniederschlägen kann es zu Schäden an der Sojabohne kommen, mitunter auch zu Pflanzenverlusten. Falls ein Einsatz von Stomp Aqua (oder Spectrum Plus) angestrebt wird, sind mindestens folgende Punkte zu beachten: Die Stomp Aqua Menge ist auf 1,5 l/ha zu begrenzen (obwohl 2,6 l/ha zulässig wären). Das Spectrum Plus sollte nur mit 2,75 l/ha eingesetzt werden (obwohl 4 l/ha zugelassen wären). Die Saatgutablage muss exakt mit einer Mindestsaattiefe von 5 cm erfolgen.

Nachauflauf-Behandlung nur bei Bedarf
Wenn eine lange Trockenheit nach der Vorauflaufspritzung zu einer unzureichenden Unkrautkontrolle geführt hat, muss im Nachauflaufverfahren reagiert werden. Falls die Sojabohne in einer Rapsfruchtfolge steht und bereits Ausfallraps aufgelaufen ist, lässt sich eine Nachauflaufbehandlung häufig nicht vermeiden, da alle Vorauflaufwirkstoffe eine Wirkungslücke gegen Ausfallraps haben. Die Nachauflaufbehandlungen sind nur zur Nachkorrektur von eventuell von der Vorauflaufbehandlung nicht erfassten Unkräutern sinnvoll. Eine alleinige Unkrautbekämpfung ist im Nachauflauf nicht möglich. Das Harmony SX kann im Nachauflaufverfahren zweimal im Splitting bis zu BBCH 14 (Laubblätter am 4. Nodium entfaltet) der Sojabohne eingesetzt werden. Die erste Behandlung kann mit 7,5 g/ha Harmony SX + Additiv bis zum BBCH 12 der Unkräuter eingesetzt werden. Nach 7–14 Tagen ist eine zweite Behandlung mit 7,5 g/ha Harmony SX + Additiv bis zum BBCH 14 der Unkräuter möglich.

Wichtig für eine gute Verträglichkeit: Das Harmony SX greift als Sulfonylharnstoff in den Stoffwechsel der Sojabohne ein und muss metabolisiert werden. Dies gelingt nur bei wüchsiger Witterung. Unter kühlen Bedingungen kann es zu Wachstumsverzögerungen der Sojabohne kommen. Sehr wichtig für die sichere Wirkung ist der Einsatz eines Additivs, um die Wachsschicht der Unkräuter für das Harmony SX zu öffnen. In der Praxis bewährt hat sich hierbei beispielsweise das Produkt Dupont Trend (0,3 l/ha). Auch andere Additive wären möglich. Ebenfalls möglich ist das seit 2018 in Soja genehmigte Clearfield Clentiga. Es wird im Nachauflauf mit einer Aufwandmenge von 1 l/ha Clearfield Clentiga + 1 l/ha Dash eingesetzt. Erste Erfahrungen aus der Saison 2018, 2019 und 2020 sind recht vielversprechend, falls der Einsatz rechtzeitig erfolgt ist. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Unkräuter nicht wesentlich über das 1. Laubblatt Stadium hinaus gewachsen sind. Eine gute Wirkung gegen Klettenlabkraut, Kreuzblüer, Nachtschatten, Taubnessel, Gänsefuß/Melde und Knöteriche ist gegeben. Bewährt in der Praxis hinsichtlich der Wirkung hat sich in den letzten beiden Jahren die Kombination von 1 l/ha Clearfield Clentiga + 1 l/ha Dash + 7,5 g/ha Harmony SX. Verträglichkeitsprobleme traten kaum auf, falls auf eine wüchsige Witterung geachtet wurde. Sind noch Gräser, aber vor allem Hirsen vorhanden, kann eine Gräserbehandlung mit 0,8–1,0 l/ha Fusilade Max oder 1,5–2,0 l/ha Focus Ultra + Dash durchgeführt werden. Dies sollte jedoch in einem separaten Arbeitsgang erfolgen, um kein unnötiges Verträglichkeitsrisiko einzugehen. Diese Gräsermittel erfassen auch größere Hirsepflanzen noch sicher, sofern genügend Blattmasse benetzt wird.

Insektizidbehandlung
• Eine Insektizidbehandlung ist in der Regel nicht notwendig
Ausnahme: Bei Auftreten des afrikanischen Distelfalters ist nach Erreichen der Schadschwelle 75 ml/ha Karate Zeon einzusetzen

Mechanische Regulierung

Konventioneller Anbau mit Herbizideinsatz
Auch im konventionellen Anbau kann bei Bedarf eine mechanische Unkrautbekämpfung mittels Maschinenhacke durchgeführt werden.
Neben der Unkrautbekämpfung begünstigt die mechanische Pflege den Gasaustausch und damit die Entwicklung der Knöllchenbakterien. Als Nachteil muss jedoch genannt werden, dass der Herbizidfilm der Vorauflaufbehandlung zerstört wird. Um eine Spätverunkrautung zu vermeiden, sollte der Hackeinsatz möglichst spät erfolgen. Der Reihenabstand bei der Saat muss natürlich zur Maschinenhacke passen.

Ökologischer Anbau ohne chemischen Herbizideinsatz
Soll die Unkrautbekämpfung rein mechanisch durchgeführt werden, sind einige wichtige Punkte zu beachten. Eine flache Bodenbearbeitung einige Wochen vor der Saat ist unumgänglich. Das Anlegen eines sogenannten „falschen Saatbetts“ bringt die ersten Unkräuter zum Auflaufen, die dann mit der eigentlichen Saatbettbereitung beseitigt werden.

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung sind mehrere Anwendungen mit Striegel und Hackgerät unumgänglich. Bereits einige Tage nach der Saat ist das sogenannte „Blindstriegeln“, bevor die Sojabohne aufläuft, notwendig. Die Saattiefe sollte etwas tiefer, ca. 5 cm betragen, um Beschädigungen zu vermeiden. Eine präzise Tiefenführung des Striegels muss gewährleistet sein. Während des Feldaufgangs sollte möglichst nicht gestriegelt werden, um Verluste zu vermeiden. Ab dem 3. Fiederblattpaar kann wieder gestriegelt werden. Für eine bessere Verträglichkeit des Striegelns hat sich der Einsatz ab Spätvormittag bei elastischeren Pflanzen bewährt. Während des Auflaufens sollte zwischen den Reihen die erste Maschinenhacke (mit Hohlschutzscheiben) so früh wie möglich eingesetzt werden. In der Regel wird ein zweiter, dritter oder vierter Hack-Durchgang innerhalb der ersten 4 bis 6 Wochen nach der Saat notwendig. Beim dritten und/oder vierten Hackgang sollten die Unkräuter in der Soja-Reihe mit Torsionshacke (zu beiden Seiten der Kulturreihe arbeitet jeweils ein gefederter und am Ende leicht gekröpfter Zinken), Fingerhacke (Finger greifen in die Reihen seitlich ein) oder Flachhäufler bekämpft werden.

Quelle: Jürgen Unsleber, Pflanzenbauberater beim LKP